Franziskus von Assisi|
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| Ordensgründer * um die Jahreswende 1181/82 in Assisi + 3. Oktober 1226 daselbst |
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Giovanni Bernardone war der Sohn eines wohlhabenden Kaufmannes und
seiner französischen Ehefrau; das Elternhaus kann bis heute besichtigt werden.
Als Jüngling bekam er den Rufnamen Francesco wegen seiner von der Mutter
geerbten Vorliebe für die französische Sprache und ritterlich-höfisches Leben.
Er führte ein fröhliches und sorgloses Leben und wollte Ritter werden. Nach
einer Schlacht zwischen Assisi und Perugia wurde er über ein Jahr in Perugia
festgehalten und litt während seiner Gefangenschaft an einer schweren Krankheit,
die ihn zu seiner Bekehrung führte. 1203 wurde er aus der Gefangenschaft
befreit, kehrte nach Assisi zurück, unternahm eine Wallfahrt nach Rom und und
pflegte Leprakranke.
Für die Wiederherstellung der kleinen Kirche S. Damiano verkaufte Franziskus im Jahr 1205 einige Tuchballen aus dem Besitz seines Vaters und wurde von diesem zur Rede gestellt; Franziskus entledigte sich der Überlieferung nach als Antwort vor den Augen des Bischofs und einer großen Menge Zuschauer aller seiner Kleider und entsagte dem Erbe. Er rannte nackt aus der Stadt und verabschiedete sich so von Herkunft und Gesellschaft. 1207 bis 1209 führte er ein Einsiedlerleben, während dessen wird ihm der Aufbau von zwei anderen zerstörten Kirchen zugeschrieben.
Während einer Messe im Jahr 1208 soll Franziskus eine Stimme vernommen haben, die ihn mit dem Wortlaut des Matthäusevangeliums aufforderte, in die Welt zu gehen, allem Besitz zu entsagen und Gutes zu tun (Matthäusevangelium 10, 5 - 14). Alte Freunde neckten ihn, seine Braut heiße nun "Armut". Die Berufung zur Armut, zu hilfreicher Tat und Predigt legte er seiner Regel mit der Gründung des "Ordens der Minderbrüder", "Minoriten" 1209/10 zugrunde: er versammelte zwölf Apostel um sich, die die ersten Brüder des späteren "Ersten Ordens" der Franziskaner wurden und Franz zu ihrem Oberhaupt wählten.
Zunächst wurde Franziskus für verrückt erklärt, doch faszinierte
Franziskus' tiefer Ernst, seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung, seine
Zuneigung zu den Menschen immer mehr. Er verzauberte die Menschen geradezu. Wenn
er in die Stadt kam - so wird berichtet -, ließen die Leute die Glocken läuten,
die Geistlichen freuten sich, die Männer frohlockten, die Frauen freuten sich
mit, die Kinder klatschten in die Hände und zogen Franziskus mit Blätterwedeln
entgegen, so wie damals die Jerusalemer Jesus entgegenzogen; er wurde wie aus
einer anderen Welt kommend angesehen und verehrt. Die ersten, einfachen, später
verloren gegangenen Ordensregeln wurden 1210 von Papst Innozenz III. mündlich
gebilligt, nachdem er die Vision eines zu seinen Füßen aufwachsenden Palmbaums
hatte, in der ein armer unbekannter Mönch die berstenden Mauern der
Laterankirche stützt.
1212 nahm Franziskus Klara von Assisi, eine junge Nonne adliger Abstammung, in seine Gemeinschaft auf. Durch ihre Bekehrung wurde die Schwesterngemeinschaft der Klarissinen gegründet, der spätere "Zweite Orden" der Franziskaner. Von den Benediktinern bekam er die kleine Kirche S. Maria degli Angeli unterhalb von Assisi geschenkt; Franziskus benannte sie in "Portiuncula" um und baute daneben ein Haus, das das Stammkloster der Franziskaner wurde.
Gegen Ende des Jahres 1212 machte sich Franziskus auf den Weg ins
Heilige Land, erlitt jedoch Schiffbruch und sah sich zur Rückreise gezwungen.
Eine Begegnung mit Dominikus
und ein Traum, der beide bestätigt, wird von Dominikus erzählt. Als
Wanderprediger kam Franz 1212 nach Dalmatien, 1213 - 1215 bis nach Südfrankreich
und Spanien. Er wurde als "poverello" weithin bekannt und innig verehrt; durch
seine "süße Rede" beeindruckte er die Menschen und wurde "Troubadour Gottes"
genannt.
Durch seine Predigt und seinen vorbildlichen Wandel entstanden schon zu seinen Lebzeiten zahlreiche Klöster auch jenseits der Alpen; sie erlangten in den wachsenden Städten neben denen der Dominikaner entscheidende Bedeutung für Armenpflege, Seelsorge und Predigt. Immer wieder betonen die Zeugnisse Franziskus' sanftmütige Demut allen Menschen und auch der armen Kreatur gegenüber - alle waren ihm Schwester und Bruder, auch Sonne, Mond und Tod, wie es sein "Sonnengesang" ausdrückt und wie es die verschiedenen Legenden von der "Vogelpredigt" zeigen.
Bei weiteren Reisen im Rahmen des 5.
Kreuzzuges gelang es ihm zwar 1219, in Ägypten zu predigen, jedoch nicht,
den Sultan el Malik el Kamil zu bekehren. Franziskus bot den muslimischen
Priestern die Feuerprobe an: er sei bereit, durch ein Feuer zu schreiten um zu
beweisen, welcher Glaube der richtige sei. Der Sultan jedoch wagte diese
Entscheidung nicht. Von dort aus zog Franziskus weiter ins Heilige Land, wo er
bis 1220 blieb. Nach seiner Rückkehr fand er die Ordensbrüder in Uneinigkeit vor
und trat von der Leitung des Ordens zurück. Die nächsten Jahre verbrachte er mit
der Planung eines neuen Ordens - des späteren "Dritten
Ordens", der "Tertiare" der Franziskaner: ein Orden für Menschen, die in der
Welt nach Ordensregeln leben wollen. 1223 bestätigte Papst Honorius III. die
endgültigen Regeln des Franziskanerordens.
Franziskus wollte für sich und seine Brüder eigentlich keine Ordensregeln,
ihm genügte die Botschaft Jesu: "Willst Du vollkommen sein, so geh hin,
verkaufe, was du hast, und gib es Armen" (Matthäusevangelium 9, 21). 1222 zog er
sich in die Einsamkeit von Alverna, einem kleinen Kloster, zurück. Auf seine
Bitte, am Leiden Jesu Anteil haben zu dürfen, wurde er am Michaelistag -
nach anderer Überlieferung am
Tag
der Kreuzfindung - des Jahres 1224 nach 40 Tage langem Fasten auf dem Berg
La Verna stigmatisiert: der Gekreuzigte in Gestalt eines Seraphs, von sechs
Seraphenflügeln überhöht und bedeckt, oder von einem solchen getragen, neigte
sich ihm; seitdem trug Franziskus, vom Leidenserlebnis Christi durchdrungen, die
Wundmale an Händen, Füßen und an der Seite, aber er verheimlichte sie, so dass
sie erst bei seinem Tod erkannt wurden; dies war die erste bezeugte
Stigmatisierung der Kirchengeschichte.
Die Entbehrungen und die Erschöpfung beeinträchtigten zunehmend seine Gesundheit, schließlich drohte Franziskus auch zu erblinden. Zur Behandlung kam er nach Siena, doch er lehnte weitere medizinische Hilfe ab, diktierte sein Testament und ließ sich unter großem Geleit nach Portiuncula zurücktragen. Dort starb er auf bloßem Boden liegend und nackt, um auch im Sterben Jesus ähnlich zu sein, umgeben von seinen Ordensgenossen, mit denen er gemeinsam und in froher Erwartung des "Bruder Tod" das Abendmahl gefeiert hatte. Seine Brüder bestatten ihn in Assisi.
Über Franziskus' Grab wurde mit dem Bau der Doppelkirche San Francesco - sie besteht aus zwei übereinander gebauten Kirchen - unmittelbar vor der Heiligsprechung mit der Grundsteinlegung durch den Papst 1228 begonnen; 1253 wurde der Bau fertig gestellt . Aus Angst vor Reliquienräubern blieb die Grabstätte zunächst unbekannt und wurde erst 1818 gefunden; nun wurde das Grabmal geschaffen.
Zahlreiche Heilungen und Wunder folgten dem "Pater seraphicus" auch
nach seinem Tode. Franziskus' Verehrung breitete sich durch Fülle und Innigkeit
der unmittelbar nach seinem Tod aufgezeichneten Legenden rasch aus. Sie sind
erhalten in seinem "Testament" und in den 1228 verfassten "Legenden der drei
Gefährten", die 1318 mit den Tagebuchnotizen des Bruders Leo, des ständigen
Begleiters von Franziskus, als "Speculum perfectionis" zusammengefasst wurden.
Der "Vita" des Franziskanerbruders == Thomas von Celano folgte die des späteren
Ordensgenerals Bonaventura,
als "Legenda maior" 1260 verfasst. Auf diesen Grundlagen beruhen die 60 Taten
und Wundererzählungen in der Legenda
Aurea. Bis heute wallfahrten hunderttausende Menschen nach Assisi. Reliquien
werden auch in Rom, Arezzo, Florenz, Cortona und Kriens in der Schweiz verehrt.
Bild 1: Giovanni Cimabue (um 1240 - 1302): Fresko in der
Unterkirche der Basilika S. Francesco in Assisi
Bild 2:
Giotto (1266 ? - 1337): Franziskus predigt den Vögeln. Fresko in der Oberen
Basilika in Assisi, vor 1300
Bild 3: Unbekannter Künstler
(13. Jahrhundert): Franziskus gibt dem Vater vor den Augen des Bischofs das Erbe
zurück
Bild 4: El Greco (1541 - 1614): Die Stigmatisierung
des Franziskus, entstanden 1577 - 1579, im Prado in Madrid
Bild
5: Caravaggio: Franziskus in Ekstase
Bild 6: Giotto
(1266 ? - 1337): Franziskus' Ordensregeln werden vom Papst bestätigt. Fresko in
der Oberen Basilika in Assisi, vor 1300
Bild 6: Kirchlein
Portiuncula, heute in der großen Kirche S. Maria degli Angeli unterhalb von
Assisi

Kanonisation: Die Heiligsprechung erfolgte schon im Jahr
1228 durch Papst Gregor IX. 1939 wurde Franziskus zum Patron Italiens ernannt,
1980 erklärte ihn Papst Johannes Paul II. zum Schutzpatron der Ökologen.
Attribute: mit den Wundmalen Jesu, mit Tieren wie Wolf,
Lamm, Fischen und v. a. Vögeln
Patron von Italien und Assisi; der Armen, Lahmen, Blinden Strafgefangenen
und Schiffbrüchigen; der Weber, Tuchhändler, Schneider, Kaufleute,
Flachshändler, Tapetenhändler, Sozialarbeiter; der Sozialarbeit und des
Umweltschutzes; gegen Kopfweh und Pest
Verweis: Der Sonnengesang - Text des berühmten Hymnus
Literatur
zu Franziskus und Assisi
Eine
schöne und informative Website
über Franziskus, dazu ausführliche Informationen über sein Leben und Wirken
und den Ort Assisi heute, hat der Weltladen St. Franziskus aus Bochum.